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ICe Breaker
Fandom: Off campus
Created: 6/4/2026
Tags
RomanceDramaAngstHurt/ComfortPsychologicalSelf-HarmSuicide AttemptAlcohol AbuseCharacter Study
Schatten auf dem Eis
Das Dröhnen der Briar University war an einem Freitagabend fast körperlich spürbar. Während die meisten Studenten sich in den Fraternaty-Häusern die Seele aus dem Leib feierten, suchte Ava die Stille der Bibliothek. Doch selbst hier, zwischen den verstaubten Buchrücken der juristischen Fakultät, verfolgte sie das Echo von Schlittschuhen auf hartem Eis.
Ava zog die Ärmel ihres schwarzen Oversize-Pullovers tiefer über ihre Handgelenke. Die feinen, silbernen Linien auf ihrer Haut brannten manchmal, als hätten sie ein eigenes Gedächtnis. Sie waren die Landkarte ihres Schmerzes, die sie vor der Welt verbarg.
„Komm schon, Ava! Nur eine Stunde. Ich verspreche dir, wenn es schrecklich ist, trinken wir morgen den ganzen Tag Tee und schauen Jane Austen-Verfilmungen.“
Allie lehnte sich über den Tisch, ihre blonden Locken wippten vor Energie. Sie war das krasse Gegenteil von Ava – eine Partymaus, die das Leben mit vollen Händen griff, während Ava versuchte, unter dem Radar zu fliegen.
„Allie, ich hasse Hockey-Partys. Du weißt das“, erwiderte Ava leise. Ihre grünen Augen fixierten das Buch vor ihr, als könnte sie die Worte darin als Schutzschild nutzen.
„Es ist die Saison-Eröffnungsparty im Graham-Haus. Jeder, der Rang und Namen hat, ist da. Und außerdem... Garrett Graham wird da sein.“ Allie zwinkerte.
Ava spürte einen Stich in der Brust. Garrett Graham. Der Name war in Briar Gesetz. Der Star-Center, der Kapitän, der Junge mit den braunen Locken und dem Lächeln, das Eis schmelzen konnte. Für Ava war er jedoch nur eine Erinnerung an eine Welt, die sie hinter sich gelassen hatte. Eine Welt aus Pucks, harten Checks und einem Vater, dessen Ruhm auf dem Eis ihn zu Hause zu einem Geist gemacht hatte, bevor er schließlich ganz verschwand.
„Genau das ist der Grund, warum ich nicht gehe“, sagte Ava fest.
Zehn Minuten später saß sie trotzdem in Allies kleinem Wagen auf dem Weg zum Graham-Haus. Allie hatte die Fähigkeit, jeden Widerstand mit einer Mischung aus Charme und Sturheit zu brechen.
Das Haus der Eishockeyspieler bebte. Musik dröhnte aus den offenen Fenstern, und der Geruch von billigem Bier und Schweiß hing in der Luft. Ava hielt sich instinktiv am Rand des Raumes auf, die Arme vor der Brust verschränkt. Sie fühlte sich wie ein Fremdkörper zwischen all den lachenden, unbeschwerten Menschen.
„Ich hol uns Drinks! Bleib genau hier!“, rief Allie gegen den Lärm an und verschwand in der Menge.
Ava atmete tief durch. Sie hasste das. Sie hasste die Arroganz, die diese Sportler ausstrahlten. Sie hielten sich für unbesiegbar, genau wie ihr Vater es getan hatte.
„Du siehst aus, als würdest du lieber eine Wurzelbehandlung über dich ergehen lassen als hier zu sein.“
Die Stimme war tief, ruhig und überraschend nah. Ava fuhr herum.
Vor ihr stand Garrett Graham. Er war groß, breitschultrig und sah in seinem schlichten grauen T-Shirt unverschämt gut aus. Seine braunen Locken waren leicht zerzaust, und seine Augen – ein warmes Braun – musterten sie mit einer Intensität, die sie nervös machte.
„Vielleicht bevorzuge ich die Wurzelbehandlung tatsächlich“, entgegnete sie kühl.
Garrett lachte leise. Es war kein herablassendes Lachen, sondern eines, das ehrlich klang. „Autsch. Mein Ego ist offiziell verletzt. Ich bin Garrett.“
„Ich weiß, wer du bist“, sagte sie, ohne ihren Namen zu nennen. „Der große Hockey-Gott von Briar.“
Garretts Lächeln verblasste ein wenig, und für einen Moment sah Ava etwas in seinem Blick, das nicht zu dem Image des unbeschwerten Frauenschwarms passte. Es war ein Schatten, eine flüchtige Dunkelheit.
„Gott ist ein bisschen übertrieben. Ich schlage nur Pucks mit einem Stock“, sagte er und trat einen Schritt näher. „Und du bist...?“
„Ava. Und ich gehe jetzt Allie suchen.“
Sie wollte an ihm vorbeiziehen, doch Garrett blockierte sanft ihren Weg. „Warte mal. Warum der Hass auf Hockey? Hast du mal einen Puck gegen den Kopf bekommen?“
Ava spürte, wie die Hitze in ihr aufstieg. „Mein Vater war Profi. Ich kenne das Spiel. Ich kenne die Typen, die es spielen. Und ich will nichts damit zu tun haben.“
Garretts Miene veränderte sich. Die Neugier in seinen Augen wurde ernster. Er sah nicht nur ihre kühle Fassade; er sah die Art, wie sie ihre Ärmel umklammerte, die leichte Rötung ihrer Wangen und die Traurigkeit in ihren grünen Augen. Garrett Graham war berühmt dafür, Spielzüge vorauszusehen, aber bei diesem Mädchen sah er etwas viel Tieferes.
„Nicht jeder, der Schlittschuhe trägt, ist gleich, Ava“, sagte er leise.
„Doch, sind sie. Ihr seid alle gleich besessen. Ihr lebt für den Applaus, und am Ende bleibt nichts übrig als Ruinen.“
Bevor er antworten konnte, stürmte Allie herbei, zwei rote Becher in der Hand. „Ava! Da bist du ja! Oh... mein... Gott. Garrett Graham.“
Garrett nickte Allie höflich zu, doch sein Blick blieb an Ava hängen. „Wir sehen uns sicher noch, Ava.“
„Hoffentlich nicht“, murmelte sie, packte Allie am Arm und zog sie weg.
In den nächsten Wochen versuchte Ava, Garrett Graham so gut es ging aus dem Weg zu gehen. Doch die Briar University war kleiner, als sie dachte. Er tauchte im Café auf, er saß plötzlich in der hinteren Reihe ihrer Vorlesung in Politischer Theorie, und er schien sie immer genau dann zu finden, wenn sie sich am verletzlichsten fühlte.
Eines Nachmittags saß Ava auf einer abgelegenen Bank hinter dem Musikgebäude. Es war ihr Rückzugsort, wenn der Druck in ihrem Kopf zu groß wurde. Die Depression war wie ein zäher Nebel, der sich an manchen Tagen schwerer anfühlte als an anderen. Heute war ein schwerer Tag.
Sie hatte ihren Pulli hochgeschoben, um die kühle Herbstluft auf ihrer Haut zu spüren. Die Narben an ihrem Unterarm leuchteten im fahlen Licht. Sie starrte sie an, ein Mahnmal ihres inneren Kampfes.
„Die sind nicht das, was dich ausmacht.“
Ava schreckte zusammen und zog den Ärmel blitzschnell nach unten. Garrett stand ein paar Meter entfernt. Er trug seine Sporttasche über der Schulter, sein Gesicht war verschwitzt vom Training, aber sein Ausdruck war sanft.
„Verschwinde, Graham“, presste sie hervor. Ihre Stimme zitterte.
Er kam nicht näher, sondern setzte sich in respektvollem Abstand auf den Boden ins Gras. „Ich weiß, wie es ist, Narben zu haben, die man nicht zeigen will.“
Ava lachte bitter. „Klar. Wahrscheinlich eine Narbe von einem harten Check gegen die Bande. Sehr heroisch.“
Garrett schüttelte den Kopf. Er blickte zu seinen Händen, die fest um seine Knie geschlossen waren. „Mein Vater ist Phil Graham. Du kennst den Namen wahrscheinlich.“
Ava erstarrte. Jeder kannte Phil Graham. Eine Legende. Ein Held des Sports.
„Er ist ein Monster“, sagte Garrett mit einer Stimme, die so flach war, dass sie Ava mehr erschreckte als ein Schrei. „Er hat meine Mutter zerstört. Er hat mich jahrelang spüren lassen, dass ich nie genug bin. Und wenn er getrunken hat... nun ja, die blauen Flecken sind verheilt, aber die Angst ist geblieben.“
Ava sah ihn an. Zum ersten Mal sah sie nicht den Star-Athleten. Sie sah den Jungen, der Angst hatte, genau wie sie.
„Warum erzählst du mir das?“, fragte sie leise.
„Weil ich sehe, wie du mich ansiehst“, sagte Garrett und hob den Blick zu ihr. „Du siehst in mir meinen Vater. Oder deinen. Du siehst die Gewalt und die Arroganz. Aber Ava... ich kämpfe jeden Tag dagegen an. Ich will niemals so werden wie er. Wenn ich jemanden liebe... dann würde ich sie eher auf Händen tragen, als ihr auch nur ein Haar zu krümmen.“
Ava spürte, wie eine Träne über ihre Wange rollte. Sie hatte ihre Mauern so hoch gebaut, dass sie fast vergessen hatte, wie es sich anfühlte, wenn jemand versuchte, sie zu verstehen.
„Mein Vater ist tot“, gestand sie plötzlich. „Er war ein Held auf dem Eis, aber zu Hause war er nur ein Schatten. Er hat sich umgebracht, Garrett. Und niemand weiß es. Alle denken, es war ein Unfall.“
Garrett stand langsam auf und trat auf sie zu. Diesmal wich sie nicht zurück. Er setzte sich neben sie auf die Bank und legte vorsichtig seine Hand in die Nähe ihrer, ohne sie zu berühren.
„Es tut mir leid, Ava. Das hättest du nicht allein tragen müssen.“
„Ich habe Angst“, flüsterte sie. „Angst, dass der Schmerz mich irgendwann ganz verschluckt. Und ich habe Angst, mich auf jemanden einzulassen, der in derselben Welt lebt, die ihn zerstört hat.“
Garrett drehte seine Handfläche nach oben, ein stummes Angebot. „Ich kann dir nicht versprechen, dass die Welt da draußen sicher ist. Aber ich kann dir versprechen, dass ich dich sehe. Nicht die Narben, nicht die Tochter eines Hockey-Stars. Nur dich.“
Ava zögerte. Ihr Herz raste. Sich zu verlieben fühlte sich an wie ein Sprung von einer Klippe ohne Fallschirm. Aber als sie in Garretts Augen sah, sah sie keinen Abgrund. Sie sah einen Hafen.
Ganz langsam legte sie ihre Hand in seine. Seine Haut war warm, seine Finger rau vom Sport, aber sein Griff war so vorsichtig, als wäre sie aus feinstem Glas.
„Ich mag Hockey trotzdem nicht“, sagte sie schwach, ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
Garrett grinste, und dieses Mal erreichte das Leuchten seine Augen ganz. „Damit kann ich arbeiten, Ava. Damit kann ich absolut arbeiten.“
In diesem Moment, zwischen den Schatten des Musikgebäudes und dem fernen Lärm des Campus, begann etwas Neues. Es war kein perfekter Anfang, und die Dämonen ihrer Vergangenheit waren noch nicht besiegt. Doch zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte Ava sich nicht mehr so, als müsste sie im Dunkeln allein kämpfen.
Garrett Graham sah tiefer als alle anderen. Und vielleicht war das genau das, was Ava brauchte, um endlich wieder das Licht zu sehen.
Ava zog die Ärmel ihres schwarzen Oversize-Pullovers tiefer über ihre Handgelenke. Die feinen, silbernen Linien auf ihrer Haut brannten manchmal, als hätten sie ein eigenes Gedächtnis. Sie waren die Landkarte ihres Schmerzes, die sie vor der Welt verbarg.
„Komm schon, Ava! Nur eine Stunde. Ich verspreche dir, wenn es schrecklich ist, trinken wir morgen den ganzen Tag Tee und schauen Jane Austen-Verfilmungen.“
Allie lehnte sich über den Tisch, ihre blonden Locken wippten vor Energie. Sie war das krasse Gegenteil von Ava – eine Partymaus, die das Leben mit vollen Händen griff, während Ava versuchte, unter dem Radar zu fliegen.
„Allie, ich hasse Hockey-Partys. Du weißt das“, erwiderte Ava leise. Ihre grünen Augen fixierten das Buch vor ihr, als könnte sie die Worte darin als Schutzschild nutzen.
„Es ist die Saison-Eröffnungsparty im Graham-Haus. Jeder, der Rang und Namen hat, ist da. Und außerdem... Garrett Graham wird da sein.“ Allie zwinkerte.
Ava spürte einen Stich in der Brust. Garrett Graham. Der Name war in Briar Gesetz. Der Star-Center, der Kapitän, der Junge mit den braunen Locken und dem Lächeln, das Eis schmelzen konnte. Für Ava war er jedoch nur eine Erinnerung an eine Welt, die sie hinter sich gelassen hatte. Eine Welt aus Pucks, harten Checks und einem Vater, dessen Ruhm auf dem Eis ihn zu Hause zu einem Geist gemacht hatte, bevor er schließlich ganz verschwand.
„Genau das ist der Grund, warum ich nicht gehe“, sagte Ava fest.
Zehn Minuten später saß sie trotzdem in Allies kleinem Wagen auf dem Weg zum Graham-Haus. Allie hatte die Fähigkeit, jeden Widerstand mit einer Mischung aus Charme und Sturheit zu brechen.
Das Haus der Eishockeyspieler bebte. Musik dröhnte aus den offenen Fenstern, und der Geruch von billigem Bier und Schweiß hing in der Luft. Ava hielt sich instinktiv am Rand des Raumes auf, die Arme vor der Brust verschränkt. Sie fühlte sich wie ein Fremdkörper zwischen all den lachenden, unbeschwerten Menschen.
„Ich hol uns Drinks! Bleib genau hier!“, rief Allie gegen den Lärm an und verschwand in der Menge.
Ava atmete tief durch. Sie hasste das. Sie hasste die Arroganz, die diese Sportler ausstrahlten. Sie hielten sich für unbesiegbar, genau wie ihr Vater es getan hatte.
„Du siehst aus, als würdest du lieber eine Wurzelbehandlung über dich ergehen lassen als hier zu sein.“
Die Stimme war tief, ruhig und überraschend nah. Ava fuhr herum.
Vor ihr stand Garrett Graham. Er war groß, breitschultrig und sah in seinem schlichten grauen T-Shirt unverschämt gut aus. Seine braunen Locken waren leicht zerzaust, und seine Augen – ein warmes Braun – musterten sie mit einer Intensität, die sie nervös machte.
„Vielleicht bevorzuge ich die Wurzelbehandlung tatsächlich“, entgegnete sie kühl.
Garrett lachte leise. Es war kein herablassendes Lachen, sondern eines, das ehrlich klang. „Autsch. Mein Ego ist offiziell verletzt. Ich bin Garrett.“
„Ich weiß, wer du bist“, sagte sie, ohne ihren Namen zu nennen. „Der große Hockey-Gott von Briar.“
Garretts Lächeln verblasste ein wenig, und für einen Moment sah Ava etwas in seinem Blick, das nicht zu dem Image des unbeschwerten Frauenschwarms passte. Es war ein Schatten, eine flüchtige Dunkelheit.
„Gott ist ein bisschen übertrieben. Ich schlage nur Pucks mit einem Stock“, sagte er und trat einen Schritt näher. „Und du bist...?“
„Ava. Und ich gehe jetzt Allie suchen.“
Sie wollte an ihm vorbeiziehen, doch Garrett blockierte sanft ihren Weg. „Warte mal. Warum der Hass auf Hockey? Hast du mal einen Puck gegen den Kopf bekommen?“
Ava spürte, wie die Hitze in ihr aufstieg. „Mein Vater war Profi. Ich kenne das Spiel. Ich kenne die Typen, die es spielen. Und ich will nichts damit zu tun haben.“
Garretts Miene veränderte sich. Die Neugier in seinen Augen wurde ernster. Er sah nicht nur ihre kühle Fassade; er sah die Art, wie sie ihre Ärmel umklammerte, die leichte Rötung ihrer Wangen und die Traurigkeit in ihren grünen Augen. Garrett Graham war berühmt dafür, Spielzüge vorauszusehen, aber bei diesem Mädchen sah er etwas viel Tieferes.
„Nicht jeder, der Schlittschuhe trägt, ist gleich, Ava“, sagte er leise.
„Doch, sind sie. Ihr seid alle gleich besessen. Ihr lebt für den Applaus, und am Ende bleibt nichts übrig als Ruinen.“
Bevor er antworten konnte, stürmte Allie herbei, zwei rote Becher in der Hand. „Ava! Da bist du ja! Oh... mein... Gott. Garrett Graham.“
Garrett nickte Allie höflich zu, doch sein Blick blieb an Ava hängen. „Wir sehen uns sicher noch, Ava.“
„Hoffentlich nicht“, murmelte sie, packte Allie am Arm und zog sie weg.
In den nächsten Wochen versuchte Ava, Garrett Graham so gut es ging aus dem Weg zu gehen. Doch die Briar University war kleiner, als sie dachte. Er tauchte im Café auf, er saß plötzlich in der hinteren Reihe ihrer Vorlesung in Politischer Theorie, und er schien sie immer genau dann zu finden, wenn sie sich am verletzlichsten fühlte.
Eines Nachmittags saß Ava auf einer abgelegenen Bank hinter dem Musikgebäude. Es war ihr Rückzugsort, wenn der Druck in ihrem Kopf zu groß wurde. Die Depression war wie ein zäher Nebel, der sich an manchen Tagen schwerer anfühlte als an anderen. Heute war ein schwerer Tag.
Sie hatte ihren Pulli hochgeschoben, um die kühle Herbstluft auf ihrer Haut zu spüren. Die Narben an ihrem Unterarm leuchteten im fahlen Licht. Sie starrte sie an, ein Mahnmal ihres inneren Kampfes.
„Die sind nicht das, was dich ausmacht.“
Ava schreckte zusammen und zog den Ärmel blitzschnell nach unten. Garrett stand ein paar Meter entfernt. Er trug seine Sporttasche über der Schulter, sein Gesicht war verschwitzt vom Training, aber sein Ausdruck war sanft.
„Verschwinde, Graham“, presste sie hervor. Ihre Stimme zitterte.
Er kam nicht näher, sondern setzte sich in respektvollem Abstand auf den Boden ins Gras. „Ich weiß, wie es ist, Narben zu haben, die man nicht zeigen will.“
Ava lachte bitter. „Klar. Wahrscheinlich eine Narbe von einem harten Check gegen die Bande. Sehr heroisch.“
Garrett schüttelte den Kopf. Er blickte zu seinen Händen, die fest um seine Knie geschlossen waren. „Mein Vater ist Phil Graham. Du kennst den Namen wahrscheinlich.“
Ava erstarrte. Jeder kannte Phil Graham. Eine Legende. Ein Held des Sports.
„Er ist ein Monster“, sagte Garrett mit einer Stimme, die so flach war, dass sie Ava mehr erschreckte als ein Schrei. „Er hat meine Mutter zerstört. Er hat mich jahrelang spüren lassen, dass ich nie genug bin. Und wenn er getrunken hat... nun ja, die blauen Flecken sind verheilt, aber die Angst ist geblieben.“
Ava sah ihn an. Zum ersten Mal sah sie nicht den Star-Athleten. Sie sah den Jungen, der Angst hatte, genau wie sie.
„Warum erzählst du mir das?“, fragte sie leise.
„Weil ich sehe, wie du mich ansiehst“, sagte Garrett und hob den Blick zu ihr. „Du siehst in mir meinen Vater. Oder deinen. Du siehst die Gewalt und die Arroganz. Aber Ava... ich kämpfe jeden Tag dagegen an. Ich will niemals so werden wie er. Wenn ich jemanden liebe... dann würde ich sie eher auf Händen tragen, als ihr auch nur ein Haar zu krümmen.“
Ava spürte, wie eine Träne über ihre Wange rollte. Sie hatte ihre Mauern so hoch gebaut, dass sie fast vergessen hatte, wie es sich anfühlte, wenn jemand versuchte, sie zu verstehen.
„Mein Vater ist tot“, gestand sie plötzlich. „Er war ein Held auf dem Eis, aber zu Hause war er nur ein Schatten. Er hat sich umgebracht, Garrett. Und niemand weiß es. Alle denken, es war ein Unfall.“
Garrett stand langsam auf und trat auf sie zu. Diesmal wich sie nicht zurück. Er setzte sich neben sie auf die Bank und legte vorsichtig seine Hand in die Nähe ihrer, ohne sie zu berühren.
„Es tut mir leid, Ava. Das hättest du nicht allein tragen müssen.“
„Ich habe Angst“, flüsterte sie. „Angst, dass der Schmerz mich irgendwann ganz verschluckt. Und ich habe Angst, mich auf jemanden einzulassen, der in derselben Welt lebt, die ihn zerstört hat.“
Garrett drehte seine Handfläche nach oben, ein stummes Angebot. „Ich kann dir nicht versprechen, dass die Welt da draußen sicher ist. Aber ich kann dir versprechen, dass ich dich sehe. Nicht die Narben, nicht die Tochter eines Hockey-Stars. Nur dich.“
Ava zögerte. Ihr Herz raste. Sich zu verlieben fühlte sich an wie ein Sprung von einer Klippe ohne Fallschirm. Aber als sie in Garretts Augen sah, sah sie keinen Abgrund. Sie sah einen Hafen.
Ganz langsam legte sie ihre Hand in seine. Seine Haut war warm, seine Finger rau vom Sport, aber sein Griff war so vorsichtig, als wäre sie aus feinstem Glas.
„Ich mag Hockey trotzdem nicht“, sagte sie schwach, ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
Garrett grinste, und dieses Mal erreichte das Leuchten seine Augen ganz. „Damit kann ich arbeiten, Ava. Damit kann ich absolut arbeiten.“
In diesem Moment, zwischen den Schatten des Musikgebäudes und dem fernen Lärm des Campus, begann etwas Neues. Es war kein perfekter Anfang, und die Dämonen ihrer Vergangenheit waren noch nicht besiegt. Doch zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte Ava sich nicht mehr so, als müsste sie im Dunkeln allein kämpfen.
Garrett Graham sah tiefer als alle anderen. Und vielleicht war das genau das, was Ava brauchte, um endlich wieder das Licht zu sehen.
