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Breaking ice

Fandom: Off campus

Created: 6/4/2026

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RomanceDramaAngstPsychologicalCharacter StudySelf-HarmTragedyRealismHurt/ComfortAlcohol AbuseCanon Setting
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Eisige Blicke und verbrannte Erde

Die Luft im Gemeinschaftsraum des Wohnheims war stickig, geschwängert vom Geruch nach billigem Bodyspray und der übertriebenen Euphorie, die nur ein Semesteranfang mit sich bringen konnte. Ivery Benggston lehnte am Türrahmen und verschränkte die Arme vor der Brust. Das schwarze Tanktop, das sie trug, ließ keinen Raum für Interpretationen – die feinen, hellen Linien auf ihren Unterarmen waren sichtbar, ein stummes Zeugnis einer Zeit, die sie hinter sich gelassen hatte. Sie versteckte sie nicht mehr. Warum auch? Sie gehörten zu ihr wie ihre grünen Augen und die Sommersprossen, die auf ihrer Nase tanzten. Aber sie waren kein Einladungsticket für Mitleid oder bohrende Fragen.

„Ivery! Da bist du ja!“ Allie wirbelte herum, ein Glas in der Hand, das verdächtig nach einer Mischung aussah, die Kopfschmerzen garantierte. „Ich dachte schon, du hättest dich in deinem Zimmer eingemauert. Komm schon, du musst die Jungs kennenlernen!“

Ivery zog eine Augenbraue hoch. „Ich bin sicher, mein Leben ist auch ohne die Bekanntschaft von hormonübersteuerten College-Typen vollständig, Allie.“

„Oh, sei nicht so eine Spaßbremse“, zwitscherte Allie und zog sie tiefer in den Raum. „Das hier ist Logan. Und das…“ Sie deutete auf einen Jungen mit braunen Locken, der mit einer Selbstverständlichkeit auf dem Sofa saß, als gehöre ihm nicht nur das Möbelstück, sondern das gesamte Gebäude. „Das ist Garrett. Garrett Graham.“

Ivery spürte, wie sich in ihrem Inneren augenblicklich eine Mauer hochzog. Nicht wegen seines Aussehens – Gott, er war objektiv betrachtet wahrscheinlich der Traum jeder Studentin –, sondern wegen der Jacke, die über der Lehne hing. Das Logo der Briar University, gekreuzte Schläger. Eishockey.

Garrett hob den Kopf. Seine Augen scannten sie kurz, blieben eine Sekunde zu lang an ihren Armen hängen, bevor sie wieder in ihre grünen Augen blitzten. Er lächelte, aber es war das Lächeln eines Mannes, der es gewohnt war, dass ihm die Welt zu Füßen lag.

„Ivery, hm? Ungewöhnlicher Name“, sagte er. Seine Stimme war tief und hatte diesen arroganten Unterton, den sie so sehr hasste. „Allie sagt, du bist neu hier. Was ist dein Major?“

„Nichts, was dich interessieren würde, Graham“, gab sie kühl zurück.

Logan prustete in sein Bier. „Oha, Garrett. Ich glaube, da hat jemand keine Lust auf dein Star-Potenzial.“

Garretts Lächeln verrutschte nicht, aber seine Augen verengten sich eine Nuance. Er war es nicht gewohnt, abgeblockt zu werden. „Star-Potenzial? Ich versuche nur, höflich zu sein. Aber vielleicht hast du einfach einen schlechten Tag.“

„Ich habe einen großartigen Tag“, entgegnete Ivery und trat einen Schritt näher, sodass sie direkt auf ihn herabsah. „Zumindest hatte ich ihn, bis ich das Logo auf deiner Jacke gesehen habe. Spielst du für das Team?“

Garrett plusterte sich unbewusst ein wenig auf, die typische Reaktion eines Sportlers, der Anerkennung erwartete. „Kapitän. Warum? Willst du ein Autogramm oder nur wissen, wann das nächste Spiel ist?“

Ivery spürte einen galligen Geschmack in ihrem Mund. Die Erinnerung an kaltes Eis, das grelle Licht einer Arena und das Geräusch von scharfen Kufen, das in einer Katastrophe endete, flackerte kurz vor ihrem inneren Auge auf. Sie schob es mit roher Gewalt beiseite.

„Weder noch. Ich wollte nur wissen, wem ich aus dem Weg gehen muss“, sagte sie mit einer Stimme, die so schneidend war, dass Allie daneben sichtlich zusammenzuckte. „Eishockey ist der stumpfsinnigste Sport, den die Menschheit je erfunden hat. Ein Haufen Testosteronbomben, die sich gegenseitig gegen Plexiglas prügeln, um einem Gummipuck hinterherzujagen. Beeindruckend.“

Stille breitete sich in dem kleinen Kreis aus. Logan starrte sie mit offenem Mund an, und Allie sah aus, als wollte sie im Erdboden versinken. Garrett hingegen stand langsam auf. Er war groß, einen guten Kopf größer als sie, und die körperliche Präsenz, die er ausstrahlte, war fast greifbar.

„Du hast ja keine Ahnung“, sagte er leise, und der spielerische Tonfall war verschwunden. „Es ist mehr als nur ein Spiel. Es ist Strategie, Geschwindigkeit, Hingabe. Aber klar, es ist einfacher, darüber zu urteilen, wenn man wahrscheinlich noch nie einen Fuß auf das Eis gesetzt hat.“

„Ich würde eher barfuß über glühende Kohlen laufen, als mich freiwillig in eine Eishalle zu begeben“, konterte Ivery. „Und jetzt entschuldigt mich. Ich brauche frische Luft. Hier drin riecht es nach Ego.“

Sie drehte sich auf dem Absatz um und marschierte hinaus, ohne einen weiteren Blick zurückzuwerfen. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Es war nicht die Angst vor Garrett Graham – es war der Hass auf alles, wofür er stand. Er war das Gesicht dieses Sports, der ihr alles genommen hatte. Ihr Vater, ein gefeierter Held auf dem Eis, war vor ihren Augen verblutet, als eine Kufe seine Halsschlagader aufschlitzte. Die Welt hatte einen Star verloren, sie hatte ihren Vater verloren. Und niemand an dieser verdammten Universität würde das jemals erfahren.

Draußen auf dem Balkon des Wohnheims atmete sie tief die kühle Nachtluft ein. Sie zitterte leicht, aber sie weigerte sich, die Arme zu verschränken, um ihre Narben zu verbergen. Sie waren ihre Rüstung.

„Das war ziemlich heftig, findest du nicht?“

Ivery wirbelte herum. Garrett stand in der Balkontür. Er hatte keine Jacke an, und seine Muskeln zeichneten sich unter dem dünnen Shirt ab. Er sah nicht mehr so arrogant aus, eher… irritiert.

„Verfolgst du mich jetzt?“, fragte sie barsch.

„Es ist ein öffentlicher Balkon“, erwiderte er und trat an das Geländer, ein paar Meter von ihr entfernt. Er sah hinaus auf den Campus. „Ich versuche nur zu verstehen, was dein Problem ist. Ich kenne dich seit fünf Minuten und du behandelst mich, als hätte ich deinen Hund überfahren.“

„Glaub mir, Graham, du bist nicht wichtig genug, als dass ich ein echtes Problem mit dir hätte. Ich mag einfach keine Hockey-Spieler. Ihr seid alle gleich. Ihr denkt, die Welt gehört euch, weil ihr ein paar Tore schießt.“

Garrett lachte kurz auf, aber es war ein freudloses Geräusch. „Du weißt gar nichts über mich. Du siehst das Trikot und denkst, du hast mich durchschaut. Das ist ziemlich oberflächlich für jemanden, der so tut, als stünde er über den Dingen.“

Ivery spürte, wie die Wut in ihr hochkochte. „Oberflächlich? Ich sehe genau, was du bist. Du bist der Typ, der von allen bewundert wird, der wahrscheinlich eine endlose Schlange von Puckbunnys vor der Tür hat und der denkt, dass Probleme nur etwas für Leute sind, die nicht hart genug trainieren.“

Garretts Kiefer spannte sich an. Für einen Moment sah Ivery etwas in seinem Blick – ein Aufflackern von etwas Altem, Dunklem. Es war der Blick eines Jungen, der zu viel gesehen hatte, der unter dem Druck eines Vaters stand, der Perfektion mit Gewalt einforderte. Aber der Moment war so schnell vorbei, wie er gekommen war. Garrett Graham ließ niemanden hinter die Fassade. Schon gar nicht ein Mädchen, das ihn beim ersten Treffen so offensiv angriff.

„Du hast ja keine Ahnung, was Druck bedeutet“, sagte er so leise, dass sie ihn fast nicht verstand. Dann schüttelte er den Kopf und sein Gesicht wurde wieder zur Maske der Gleichgültigkeit. „Aber hey, bleib ruhig in deiner Welt, in der du alle in Schubladen steckst. Ist wahrscheinlich sicherer so, oder?“

Er deutete vage auf ihre Unterarme. „Vielleicht sind wir uns gar nicht so unähnlich, Ivery. Wir haben beide Dinge, die wir nicht an die große Glocke hängen. Nur dass ich nicht so tue, als wäre ich deswegen etwas Besseres.“

Bevor sie antworten konnte, drehte er sich um und ging zurück ins Innere.

Ivery blieb allein zurück. Ihre Finger krallten sich in das kalte Metall des Geländers. Er hatte es gewagt, ihre Narben zu erwähnen. Er hatte es gewagt, eine Verbindung herzustellen, wo keine war.

„Arschloch“, flüsterte sie in die Dunkelheit.

Sie hasste ihn. Sie hasste seinen Sport, seine Arroganz und die Tatsache, dass er für einen winzigen Moment so ausgesehen hatte, als würde er verstehen, wie es sich anfühlte, eine Last zu tragen. Aber das war unmöglich. Garrett Graham war der goldene Junge der Briar University. Er hatte keine Narben – zumindest keine, die man sehen konnte.

In den nächsten Tagen versuchte Ivery, ihm aus dem Weg zu gehen, was sich als schwieriger herausstellte, als sie gedacht hatte. Briar war groß, aber die Kreise, in denen Allie verkehrte, waren untrennbar mit dem Eishockey-Team verbunden.

Am Donnerstagabend saß Ivery in der Bibliothek und versuchte, sich auf ihre Psychologie-Unterlagen zu konzentrieren, als sich jemand ungefragt auf den Stuhl gegenüber setzte. Sie sah nicht auf. Sie wusste am Geruch von frischer Minze und etwas, das nach teurem Waschmittel und Anstrengung roch, wer es war.

„Gibt es hier keine anderen freien Plätze, Graham?“, fragte sie, ohne den Blick vom Buch zu heben.

„Die Bibliothek ist voll, Benggston. Und hier ist es schön ruhig. Zumindest, solange du nicht anfängst, mich anzuschreien.“

Ivery hob den Kopf und starrte ihn an. Er hatte die Lehrbücher vor sich ausgebreitet, aber er sah müde aus. Unter seinen Augen lagen Schatten, die sie am Abend zuvor nicht bemerkt hatte.

„Warum versuchst du es überhaupt?“, fragte sie plötzlich. „Wir mögen uns nicht. Du hältst mich für eine voreingenommene Zicke und ich halte dich für einen arroganten Sportler. Warum setzt du dich hierhin?“

Garrett legte den Stift weg und sah sie direkt an. Sein Blick war intensiv, fast schon forschend. „Vielleicht, weil du die Einzige auf diesem Campus bist, die mich nicht ansieht, als wäre ich ein verdammter Gott. Es ist… erfrischend. Auch wenn du nervst.“

Ivery schnaubte. „Erfrischend. Ich bin also dein persönliches Detox-Programm von deinem eigenen Ego?“

„So in etwa“, gab er zurück und ein winziges, echtes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Es veränderte sein ganzes Gesicht, machte ihn menschlicher, weniger wie den unnahbaren Kapitän. „Und was ist mit dir? Warum bist du so aggressiv? Ist es eine Verteidigungsstrategie? Wenn du alle wegbeißt, kann dir keiner zu nahe kommen?“

Iverys Hand zuckte unwillkürlich zu ihrem Ärmel, obwohl sie heute ein Langarmshirt trug. „Du analysierst zu viel, Graham. Konzentrier dich lieber auf dein Studium. Ich habe gehört, Hockey-Spieler haben es nicht so mit dem Denken.“

„Da ist sie wieder, die Schublade“, murmelte er, wandte sich aber tatsächlich seinen Büchern zu.

Eine Stunde lang herrschte Schweigen zwischen ihnen. Es war kein angenehmes Schweigen, aber es war auch nicht so geladen, wie Ivery erwartet hatte. Es war ein Waffenstillstand.

Doch der Frieden hielt nur so lange, bis Garretts Handy auf dem Tisch vibrierte. Er warf einen Blick auf das Display und Ivery sah, wie die Farbe aus seinem Gesicht wich. Seine gesamte Körperhaltung veränderte sich – er wirkte plötzlich kleiner, fast schon geduckt, obwohl er nur dasaß.

Er drückte den Anruf weg, aber seine Hände zitterten leicht.

„Alles okay?“, fragte Ivery, bevor sie sich stoppen konnte.

„Geht dich nichts an“, zischte er, und die Kälte in seiner Stimme war diesmal echt. Er packte seine Sachen hastig zusammen, warf die Bücher in seinen Rucksack und stand auf. „Viel Erfolg noch beim Hassen der Welt, Ivery.“

Er ließ sie sitzen, verwirrt und mit einem seltsamen Ziehen in der Brust. Sie wollte ihn hassen. Sie wollte, dass er genau das war, was sie in ihm sah. Aber dieser Moment der Verletzlichkeit passte nicht in ihr Bild.

Als sie später an diesem Abend in ihre Wohnung zurückkehrte, fand sie Allie auf dem Sofa, die gerade ihre Nägel lackierte.

„Hey, wie war's in der Bib?“, fragte Allie fröhlich.

„Anstrengend“, antwortete Ivery knapp. Sie setzte sich neben ihre Freundin. „Sag mal, Allie… was weißt du eigentlich über Garrett Grahams Familie?“

Allie hielt inne und sah sie überrascht an. „Garrett? Nicht viel. Er redet nie darüber. Ich weiß nur, dass sein Vater Phil Graham ist – du weißt schon, die Eishockey-Legende. Er ist ziemlich berühmt. Warum fragst du?“

Ivery spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Phil Graham. Natürlich. Ein weiterer Name aus der Welt, die sie verabscheute. Ein Mann, der für seinen harten Spielstil bekannt war.

„Nur so. Er war in der Bibliothek und hat sich komisch benommen“, wich sie aus.

„Garrett ist… kompliziert“, sagte Allie nachdenklich. „Er wirkt immer so perfekt, aber Logan hat mal angedeutet, dass es zu Hause nicht so toll ist. Aber wie gesagt, er lässt niemanden ran. Er ist wie eine Festung.“

Eine Festung. Ivery verstand das nur zu gut. Sie selbst war eine Festung, deren Mauern aus Geheimnissen und Schmerz gebaut waren. Sie hatte ihre Narben nach außen gekehrt, um die Menschen davon abzuhalten, nach den wirklichen Wunden zu graben. Garrett hingegen versteckte alles hinter einem glänzenden Schutzschild aus Ruhm und Arroganz.

Sie hasste Eishockey immer noch. Sie hasste die Kälte, das Blut und die Erinnerung an den Tod ihres Vaters. Und sie wollte Garrett Graham hassen, weil er ein Teil dieser Welt war.

Aber als sie in dieser Nacht im Bett lag und an den zitternden Jungen in der Bibliothek dachte, merkte sie, dass der Hass Risse bekam. Und das war das Gefährlichste, was ihr an der Briar University passieren konnte. Denn wenn sie aufhörte zu hassen, müsste sie anfangen zu fühlen. Und Gefühle waren das, was sie fast umgebracht hätte.

Ivery schloss die Augen und sah das Bild ihres Vaters vor sich, wie er ihr zum letzten Mal zugewinkt hatte, bevor er das Eis betrat. Dann verwandelte sich das Gesicht in das von Garrett, dessen Augen denselben dunklen Schatten trugen.

„Komm mir nicht zu nahe, Graham“, flüsterte sie in die Dunkelheit. „Für uns beide gibt es auf diesem Eis kein Happy End.“
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