
← Volver a la lista de fanfics
0 me gusta
Pyjamaparty
Fandom: Shamless
Creado: 20/12/2025
Etiquetas
DramaRecortes de VidaRealismoEstudio de PersonajeHistoria DomésticaHumorAventuraAbuso de AlcoholUso de Drogas
Ein Abenteuer namens South Side
– Bist du sicher, dass dein Vater uns nicht abholt, Liam? – Benjamin zog seine teure, aber jetzt leicht staubige Jacke enger um sich. Die Sonne begann langsam unterzugehen und tauchte die heruntergekommenen Straßen in ein oranges Licht, das die Schatten der Gebäude lang und unheimlich wirken ließ.
– Er hat gesagt, er ist beschäftigt, – murmelte Liam und zuckte mit den Schultern. – Ist doch egal, ist nicht weit.
Benjamin schluckte. „Nicht weit“ war relativ. Sie waren seit einer gefühlten Ewigkeit unterwegs, seit die Schule vor über einer Stunde aus war. Er war es gewohnt, dass ein Chauffeur ihn direkt vor der Schule abholte. Oder seine Mutter, wenn sie mal wieder „normal“ sein wollte. Aber zu Fuß? Durch *diese* Gegend?
– Aber… deine Eltern wissen, dass wir laufen, oder? – fragte Benjamin, seine Augen huschten über die Graffiti-besprühten Wände und die verrosteten Autos, die am Straßenrand parkten.
Liam kicherte.
– Mein Vater weiß wahrscheinlich nicht mal, dass heute Dienstag ist. Und Fiona… die hat genug zu tun.
Benjamin runzelte die Stirn.
– Fiona? Ist das deine Mutter?
– Nein, meine Schwester. Die Älteste. – Liam blickte kurz zu Benjamin auf. – Sie kümmert sich um alles.
Ein warmes Gefühl breitete sich in Liams Brust aus, als er an Fiona dachte. Sie war zwar manchmal überfordert und schimpfte viel, aber sie war immer für ihn da. Immer.
Benjamin nickte langsam. Er hatte nicht wirklich verstanden, was Liam meinte. Seine Mutter kümmerte sich um „alles“ – das bedeutete, sie organisierte das Personal, die Veranstaltungen, die Reisen. Aber sie kümmerte sich nicht um *ihn*. Nicht so, wie Liam es beschrieb.
Sie bogen um eine Ecke und die Geräusche der Straße wurden lauter. Musik drang aus offenen Fenstern, Kinder spielten auf der Straße zwischen Mülleimern und leeren Flaschen, und der Geruch von Frittiertem und Abgasen hing schwer in der Luft.
– Wow, – hauchte Benjamin, seine Augen weit aufgerissen. – Das ist… anders.
– Das ist die South Side, – sagte Liam stolz, als ob er die Gegend selbst erfunden hätte.
– Wo sind hier die Gehwege? – fragte Benjamin. Er musste aufpassen, wo er hintrat, da der Bürgersteig an vielen Stellen zerbrochen war oder ganz fehlte.
Liam zuckte mit den Schultern.
– Brauchen wir nicht immer.
Benjamin starrte auf eine Gruppe Jugendlicher, die sich an einer Straßenecke versammelt hatten. Sie rauchten und lachten laut, und einer von ihnen hatte eine riesige, glänzende Kette um den Hals.
– Sind die… gefährlich? – flüsterte Benjamin.
Liam lachte.
– Nö, das sind wahrscheinlich nur Carl und seine Freunde. Oder irgendwelche anderen Leute. Ist doch egal.
Carl? Der Name klang vertraut. Benjamin erinnerte sich an Liams Erzählungen über seine Geschwister. Carl war der, der schon im Gefängnis war, oder? Ein leichter Schauer lief ihm über den Rücken.
– Du hast doch gesagt, dein Bruder ist im Gefängnis gewesen, oder? – fragte Benjamin leise.
– Ja, Carl, – bestätigte Liam. – Aber das ist schon eine Weile her. Er ist jetzt anders. Ein bisschen.
Benjamin war sich nicht sicher, was er davon halten sollte. In seiner Welt bedeutete „Gefängnis“ etwas Endgültiges, etwas, das man mied, koste es, was es wolle. Hier schien es fast schon eine normale Station im Leben zu sein.
– Und wo sind hier die Geschäfte? – Benjamin blickte sich um. Er sah keine schicken Boutiquen, keine Feinkostläden, nur kleine, schmuddelige Eckläden mit vergitterten Fenstern.
– Da drüben ist der Alibi, – sagte Liam und zeigte auf eine Bar, aus der laute Musik und grölende Stimmen drangen. – Da sind Kev und V.
– Wer ist Kev und V? – Benjamin war verwirrt.
– Unsere Nachbarn, – erklärte Liam. – Die gehören fast zur Familie. V ist Fionas beste Freundin.
Benjamin schluckte. Das Konzept von „Nachbarn, die zur Familie gehören“ war ihm fremd. Bei ihm zu Hause waren Nachbarn Leute, die man bei der jährlichen Poolparty einlud und ansonsten höflich ignorierte.
Sie gingen weiter, und Benjamin versuchte, sich alles zu merken. Die seltsamen Gerüche, die lauten Geräusche, die Gesichter der Leute, die an ihnen vorbeihuschten. Es war wie in einem Film, nur viel realer.
– Und wo ist dein Haus? – fragte Benjamin, als sie eine weitere Ecke abbogen. Er hatte erwartet, ein großes, freistehendes Haus zu sehen, vielleicht mit einem Garten.
Liam zeigte auf ein kleines, heruntergekommenes Haus, das sich zwischen zwei anderen Häusern quetschte. Die Farbe blätterte von den Wänden, und die Veranda war vollgestopft mit allerlei Kram.
– Das ist es, – sagte Liam.
Benjamin starrte auf das Haus. Es war so klein. Und so… unordentlich. Er war es gewohnt, in einem riesigen Anwesen zu leben, mit mehreren Schlafzimmern, Badezimmern und einem eigenen Flügel für das Personal.
– Das ist dein Haus? – fragte Benjamin ungläubig.
– Ja, – antwortete Liam und grinste. – Komm, ich zeig’s dir.
Sie stiegen die knarrenden Holzstufen zur Veranda hinauf. Als Liam die Tür öffnete, strömte ihnen ein Gemisch aus Essensgerüchen, abgestandenem Rauch und etwas undefinierbarem, aber eindeutig „Gallagher-typischem“ entgegen.
– Wir sind da! – rief Liam in den Raum.
Ein lautes Poltern war aus dem Inneren zu hören, gefolgt von einem Fluch.
– Liam, bist du das, du kleiner Scheißer? – Eine raue Stimme drang aus dem Wohnzimmer.
– Ja, Frank, – rief Liam zurück. – Ich hab Benjamin mitgebracht!
Benjamin zuckte zusammen, als ein großer, hagerer Mann mit zerzaustem Haar und einem leicht glasigen Blick aus dem Wohnzimmer taumelte. Er trug ein dreckiges T-Shirt und eine verwaschene Hose.
– Benjamin? – Der Mann, den Liam Frank nannte, musterte Benjamin von Kopf bis Fuß. – Na, dann mal rein mit dir, Junge. Mach’s dir bequem. Aber fass nichts an, was du nicht bezahlen kannst.
Benjamin war sprachlos. Das war Liams Vater? Er sah… anders aus, als er es sich vorgestellt hatte. Sein eigener Vater trug immer maßgeschneiderte Anzüge und hatte eine makellose Frisur.
– Das ist mein Vater, Frank, – sagte Liam, als wäre es das Normalste der Welt.
– Freut mich, Sie kennenzulernen, Herr Gallagher, – stammelte Benjamin.
Frank lachte, ein raues, heiseres Lachen.
– „Herr Gallagher“. Hör mal einer an. Nennt mich Frank, Junge. Oder Dad, wenn du dich traust. Aber nur, wenn du auch meine Rechnungen bezahlst.
Liam stieß seinen Vater leicht an.
– Sei nicht so gemein, Frank.
– Ach, Liam, – Frank wischte eine imaginäre Staubfluse von seinem T-Shirt. – Ich bin nie gemein. Nur ehrlich.
Benjamin war froh, als Liam ihn am Arm packte und ihn ins Wohnzimmer zog. Das Zimmer war ein einziges Chaos. Überall lagen Klamotten, leere Pizzakartons, und auf dem Couchtisch stapelten sich Zeitungen und Zeitschriften.
– Das ist unser Wohnzimmer, – sagte Liam. – Manchmal schlafen hier auch Leute.
Benjamin nickte, seine Augen wanderten von einem Gegenstand zum nächsten. Er sah eine abgenutzte Couch, auf der ein paar Kissen lagen, die ihre beste Zeit längst hinter sich hatten. Ein alter Fernseher stand auf einem wackeligen Regal, und an den Wänden hingen ein paar vergilbte Fotos.
– Wo ist dein Zimmer, Liam? – fragte Benjamin. Er hatte erwartet, dass Liam ihn in sein eigenes, gemütliches Zimmer führen würde.
Liam zeigte auf eine Matratze, die in einer Ecke des Wohnzimmers auf dem Boden lag.
– Hier.
Benjamin blinzelte.
– Hier? Aber… du hast kein richtiges Bett?
Liam zuckte mit den Schultern.
– Manchmal schlafe ich auch bei Lip oder Carl. Oder bei Fiona. Ist doch egal.
Benjamin war schockiert. Ein Junge aus seiner Elite-Schule, der auf einer Matratze auf dem Boden schlief? Das war unvorstellbar. In seinem Haus hatte jeder sein eigenes Schlafzimmer mit einem Kingsize-Bett, einem eigenen Bad und einem begehbaren Kleiderschrank.
– Und… wo schlafen die anderen? – fragte Benjamin vorsichtig.
– Lip und Carl teilen sich ein Zimmer oben, – erklärte Liam. – Debbie hat auch ein Zimmer, aber sie schläft meistens bei ihrem Baby. Fiona schläft im Keller.
Benjamin war immer verwirrter. Im Keller? Das war doch kein geeigneter Ort zum Schlafen.
Plötzlich hörten sie laute Stimmen aus der Küche.
– Ich hab gesagt, du sollst meine Chips nicht anfassen, Debbie! – rief eine männliche Stimme.
– Ich hatte Hunger, Lip! – Die weibliche Stimme war empört. – Und du hast sie eh nur vergessen!
Liam seufzte.
– Das sind Lip und Debbie. Die streiten sich immer.
Benjamin konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Das war also normal hier. Streitereien und Chaos. In seinem Haus gab es keine Streitereien. Alles war immer ruhig und geordnet.
Ein junger Mann mit roten Haaren und einer Bierflasche in der Hand kam ins Wohnzimmer gestürmt. Er hatte einen wütenden Ausdruck auf dem Gesicht.
– Liam, hast du meine Chips gesehen? – Er sah Liam an, dann fiel sein Blick auf Benjamin. – Und wer ist das?
– Das ist Benjamin, mein Freund aus der Schule, – sagte Liam. – Benjamin, das ist Lip.
– Schön, dich kennenzulernen, – sagte Lip knapp und musterte Benjamin misstrauisch. – Was machst du hier?
– Ich… ich übernachte hier, – stammelte Benjamin.
Lip hob eine Augenbraue.
– Übernachtest hier? Na, dann viel Spaß. Und fass meine Chips nicht an.
Er drehte sich um und ging zurück in die Küche, wo das Geschrei sofort wieder losging.
Benjamin sah Liam an.
– Er scheint… nicht begeistert zu sein.
Liam lachte.
– Lip ist immer so. Er ist nicht böse. Nur… Lip.
Kurz darauf kam eine junge Frau mit roten Haaren und einem Baby auf dem Arm ins Wohnzimmer. Sie hatte einen besorgten Ausdruck auf dem Gesicht.
– Liam, wo warst du denn? Ich hab mir Sorgen gemacht! – Sie sah Benjamin. – Und wer ist das?
– Das ist Benjamin, Debbie, – sagte Liam. – Er bleibt über Nacht.
– Oh, hallo, Benjamin, – sagte Debbie, und ihre Miene hellte sich auf. – Ich bin Debbie. Freut mich, dich kennenzulernen. Das ist Franny. – Sie zeigte auf das Baby, das friedlich in ihren Armen schlief.
– Hallo, – sagte Benjamin. Er war überrascht von Debbies Freundlichkeit. Sie schien die einzige zu sein, die ihn nicht misstrauisch beäugte.
– Kommt, ich mache euch was zu essen, – sagte Debbie. – Habt ihr Hunger?
Benjamin nickte eifrig. Er hatte tatsächlich Hunger.
Als sie in die Küche gingen, war das Chaos dort noch größer. Töpfe und Pfannen standen auf dem Herd, Geschirr stapelte sich in der Spüle, und Essensreste lagen auf der Arbeitsplatte.
– Setzt euch, wo ihr Platz findet, – sagte Debbie und wies auf den Küchentisch, der ebenfalls mit allerlei Kram bedeckt war.
Benjamin setzte sich vorsichtig auf einen Stuhl, der leicht wackelte. Er war es gewohnt, an einem riesigen Esstisch zu sitzen, der immer makellos gedeckt war.
Debbie begann, etwas in einer Pfanne zu braten, und der Geruch von Zwiebeln und etwas Fleischigem breitete sich in der Küche aus.
– Und wo sind deine Eltern, Benjamin? – fragte Debbie freundlich.
– Die sind… auf Geschäftsreise, – sagte Benjamin. – Wie meistens.
Debbie nickte verständnisvoll.
– Meine Eltern sind auch oft weg. Aber Fiona ist ja da.
Benjamin dachte an seine eigene Mutter, die wahrscheinlich gerade in einem Fünf-Sterne-Hotel in Paris saß und Champagner trank. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sie sich jemals so um ihn kümmern würde, wie Fiona sich um ihre Geschwister kümmerte.
Plötzlich öffnete sich die Tür zur Küche, und eine junge Frau mit langen, braunen Haaren und einem energischen Ausdruck trat ein. Sie trug Arbeitskleidung und sah müde aus.
– Ich bin zu Hause! – rief sie.
– Fiona! – Liam rannte auf sie zu und umarmte sie.
Fiona lachte und drückte ihn fest.
– Na, mein kleiner Mann. Wie war dein Tag?
Sie sah Benjamin und hob eine Augenbraue.
– Und wer ist das?
– Das ist Benjamin, mein Freund aus der Schule, – sagte Liam stolz. – Er bleibt über Nacht.
Fiona musterte Benjamin. Ihr Blick war weniger misstrauisch als Lips, aber auch nicht so freundlich wie Debbies. Er war eher… prüfend.
– Schön, dich kennenzulernen, – sagte Fiona. – Ich bin Fiona.
– Freut mich auch, – sagte Benjamin.
– Hast du schon gegessen? – fragte Fiona Liam.
– Debbie macht uns was, – sagte Liam.
Fiona nickte.
– Gut. Ich muss erstmal duschen. Und dann muss ich noch ein paar Sachen erledigen.
Sie verschwand im Badezimmer, und Benjamin hörte kurz darauf das Geräusch von fließendem Wasser.
Debbie stellte Teller mit gebratenem Fleisch und Kartoffeln auf den Tisch.
– Es ist nicht viel, aber es ist warm.
Benjamin nahm einen Bissen. Es war einfach, aber es schmeckte gut. Viel besser als das fade Essen, das seine Köchin ihm normalerweise servierte.
Während sie aßen, kam auch Ian ins Wohnzimmer. Er war groß und muskulös, aber er hatte ein sanftes Lächeln.
– Hey, Liam, – sagte Ian. – Wer ist dein Freund?
– Das ist Benjamin, – sagte Liam. – Ian ist mein Bruder.
– Hi, Benjamin, – sagte Ian freundlich. – Schön, dich kennenzulernen.
– Hallo, – sagte Benjamin. Ian war der erste, der nicht misstrauisch oder genervt wirkte.
Ian setzte sich zu ihnen an den Tisch und begann, sich ebenfalls etwas auf den Teller zu schaufeln.
– Wo ist dein Vater, Liam? – fragte Ian.
– Er ist im Wohnzimmer, – sagte Liam. – Er hat gesagt, er ist beschäftigt.
Ian nickte.
– Wie immer.
Benjamin war von der familiären Atmosphäre überrascht. Trotz des Chaos und der Streitereien schien es hier eine starke Bindung zwischen den Geschwistern zu geben. Etwas, das er in seiner eigenen Familie vermisste.
Nach dem Essen half Debbie beim Abwasch, während Liam Benjamin sein Zimmer zeigte – oder besser gesagt, seine Ecke im Wohnzimmer.
– Hier schlafe ich, – sagte Liam und zeigte auf die Matratze. – Du kannst ja auf der Couch schlafen. Ist bequemer.
Benjamin sah die alte, fleckige Couch an. Er hatte noch nie auf einer Couch geschlafen. Und schon gar nicht in einem Wohnzimmer, in dem jederzeit jemand hereinkommen konnte.
– Ist das… sicher hier? – fragte Benjamin leise.
Liam lachte.
– Sicher? Ja, klar. Wir sind die Gallaghers. Uns kann nichts passieren.
Benjamin war sich da nicht so sicher. Aber er wollte Liam nicht enttäuschen.
Später am Abend saßen sie alle im Wohnzimmer. Frank war eingeschlafen und schnarchte laut auf dem Sofa. Lip saß in einem Sessel und las ein Buch, während Debbie mit Franny auf dem Schoß eine Sendung im Fernsehen ansah. Ian saß auf dem Boden und spielte auf seinem Handy.
Fiona kam aus dem Badezimmer, frisch geduscht und in bequeme Kleidung gekleidet. Sie setzte sich neben Debbie auf die Couch.
– Und, Benjamin, wie gefällt es dir hier? – fragte Fiona.
Benjamin überlegte kurz. Er war schockiert über das Chaos, die Armut und die ungewöhnlichen Familienverhältnisse. Aber er war auch fasziniert. Es war so anders als alles, was er kannte.
– Es ist… interessant, – sagte Benjamin ehrlich. – Und… anders.
Fiona lachte.
– „Interessant“ und „anders“. Das ist eine gute Beschreibung für die Gallaghers.
Liam grinste Benjamin an.
– Ich hab’s dir doch gesagt.
Benjamin sah sich um. Er sah Frank, der schnarchte, Lip, der las, Debbie, die ihr Baby hielt, und Ian, der spielte. Und Fiona, die über alles wachte. Es war laut, chaotisch, und manchmal beängstigend. Aber es war auch warm, lebendig und voller Liebe.
Er hatte noch nie so etwas erlebt. Und er spürte, dass dieses Abenteuer in der South Side gerade erst begonnen hatte. Er wusste, dass seine Eltern entsetzt wären, wenn sie wüssten, wo er war. Aber in diesem Moment war es ihm egal. Er war hier, bei den Gallaghers, und er fühlte sich… wohl. Und das war etwas, das er in seinem eigenen, perfekten Leben selten gespürt hatte.
– Er hat gesagt, er ist beschäftigt, – murmelte Liam und zuckte mit den Schultern. – Ist doch egal, ist nicht weit.
Benjamin schluckte. „Nicht weit“ war relativ. Sie waren seit einer gefühlten Ewigkeit unterwegs, seit die Schule vor über einer Stunde aus war. Er war es gewohnt, dass ein Chauffeur ihn direkt vor der Schule abholte. Oder seine Mutter, wenn sie mal wieder „normal“ sein wollte. Aber zu Fuß? Durch *diese* Gegend?
– Aber… deine Eltern wissen, dass wir laufen, oder? – fragte Benjamin, seine Augen huschten über die Graffiti-besprühten Wände und die verrosteten Autos, die am Straßenrand parkten.
Liam kicherte.
– Mein Vater weiß wahrscheinlich nicht mal, dass heute Dienstag ist. Und Fiona… die hat genug zu tun.
Benjamin runzelte die Stirn.
– Fiona? Ist das deine Mutter?
– Nein, meine Schwester. Die Älteste. – Liam blickte kurz zu Benjamin auf. – Sie kümmert sich um alles.
Ein warmes Gefühl breitete sich in Liams Brust aus, als er an Fiona dachte. Sie war zwar manchmal überfordert und schimpfte viel, aber sie war immer für ihn da. Immer.
Benjamin nickte langsam. Er hatte nicht wirklich verstanden, was Liam meinte. Seine Mutter kümmerte sich um „alles“ – das bedeutete, sie organisierte das Personal, die Veranstaltungen, die Reisen. Aber sie kümmerte sich nicht um *ihn*. Nicht so, wie Liam es beschrieb.
Sie bogen um eine Ecke und die Geräusche der Straße wurden lauter. Musik drang aus offenen Fenstern, Kinder spielten auf der Straße zwischen Mülleimern und leeren Flaschen, und der Geruch von Frittiertem und Abgasen hing schwer in der Luft.
– Wow, – hauchte Benjamin, seine Augen weit aufgerissen. – Das ist… anders.
– Das ist die South Side, – sagte Liam stolz, als ob er die Gegend selbst erfunden hätte.
– Wo sind hier die Gehwege? – fragte Benjamin. Er musste aufpassen, wo er hintrat, da der Bürgersteig an vielen Stellen zerbrochen war oder ganz fehlte.
Liam zuckte mit den Schultern.
– Brauchen wir nicht immer.
Benjamin starrte auf eine Gruppe Jugendlicher, die sich an einer Straßenecke versammelt hatten. Sie rauchten und lachten laut, und einer von ihnen hatte eine riesige, glänzende Kette um den Hals.
– Sind die… gefährlich? – flüsterte Benjamin.
Liam lachte.
– Nö, das sind wahrscheinlich nur Carl und seine Freunde. Oder irgendwelche anderen Leute. Ist doch egal.
Carl? Der Name klang vertraut. Benjamin erinnerte sich an Liams Erzählungen über seine Geschwister. Carl war der, der schon im Gefängnis war, oder? Ein leichter Schauer lief ihm über den Rücken.
– Du hast doch gesagt, dein Bruder ist im Gefängnis gewesen, oder? – fragte Benjamin leise.
– Ja, Carl, – bestätigte Liam. – Aber das ist schon eine Weile her. Er ist jetzt anders. Ein bisschen.
Benjamin war sich nicht sicher, was er davon halten sollte. In seiner Welt bedeutete „Gefängnis“ etwas Endgültiges, etwas, das man mied, koste es, was es wolle. Hier schien es fast schon eine normale Station im Leben zu sein.
– Und wo sind hier die Geschäfte? – Benjamin blickte sich um. Er sah keine schicken Boutiquen, keine Feinkostläden, nur kleine, schmuddelige Eckläden mit vergitterten Fenstern.
– Da drüben ist der Alibi, – sagte Liam und zeigte auf eine Bar, aus der laute Musik und grölende Stimmen drangen. – Da sind Kev und V.
– Wer ist Kev und V? – Benjamin war verwirrt.
– Unsere Nachbarn, – erklärte Liam. – Die gehören fast zur Familie. V ist Fionas beste Freundin.
Benjamin schluckte. Das Konzept von „Nachbarn, die zur Familie gehören“ war ihm fremd. Bei ihm zu Hause waren Nachbarn Leute, die man bei der jährlichen Poolparty einlud und ansonsten höflich ignorierte.
Sie gingen weiter, und Benjamin versuchte, sich alles zu merken. Die seltsamen Gerüche, die lauten Geräusche, die Gesichter der Leute, die an ihnen vorbeihuschten. Es war wie in einem Film, nur viel realer.
– Und wo ist dein Haus? – fragte Benjamin, als sie eine weitere Ecke abbogen. Er hatte erwartet, ein großes, freistehendes Haus zu sehen, vielleicht mit einem Garten.
Liam zeigte auf ein kleines, heruntergekommenes Haus, das sich zwischen zwei anderen Häusern quetschte. Die Farbe blätterte von den Wänden, und die Veranda war vollgestopft mit allerlei Kram.
– Das ist es, – sagte Liam.
Benjamin starrte auf das Haus. Es war so klein. Und so… unordentlich. Er war es gewohnt, in einem riesigen Anwesen zu leben, mit mehreren Schlafzimmern, Badezimmern und einem eigenen Flügel für das Personal.
– Das ist dein Haus? – fragte Benjamin ungläubig.
– Ja, – antwortete Liam und grinste. – Komm, ich zeig’s dir.
Sie stiegen die knarrenden Holzstufen zur Veranda hinauf. Als Liam die Tür öffnete, strömte ihnen ein Gemisch aus Essensgerüchen, abgestandenem Rauch und etwas undefinierbarem, aber eindeutig „Gallagher-typischem“ entgegen.
– Wir sind da! – rief Liam in den Raum.
Ein lautes Poltern war aus dem Inneren zu hören, gefolgt von einem Fluch.
– Liam, bist du das, du kleiner Scheißer? – Eine raue Stimme drang aus dem Wohnzimmer.
– Ja, Frank, – rief Liam zurück. – Ich hab Benjamin mitgebracht!
Benjamin zuckte zusammen, als ein großer, hagerer Mann mit zerzaustem Haar und einem leicht glasigen Blick aus dem Wohnzimmer taumelte. Er trug ein dreckiges T-Shirt und eine verwaschene Hose.
– Benjamin? – Der Mann, den Liam Frank nannte, musterte Benjamin von Kopf bis Fuß. – Na, dann mal rein mit dir, Junge. Mach’s dir bequem. Aber fass nichts an, was du nicht bezahlen kannst.
Benjamin war sprachlos. Das war Liams Vater? Er sah… anders aus, als er es sich vorgestellt hatte. Sein eigener Vater trug immer maßgeschneiderte Anzüge und hatte eine makellose Frisur.
– Das ist mein Vater, Frank, – sagte Liam, als wäre es das Normalste der Welt.
– Freut mich, Sie kennenzulernen, Herr Gallagher, – stammelte Benjamin.
Frank lachte, ein raues, heiseres Lachen.
– „Herr Gallagher“. Hör mal einer an. Nennt mich Frank, Junge. Oder Dad, wenn du dich traust. Aber nur, wenn du auch meine Rechnungen bezahlst.
Liam stieß seinen Vater leicht an.
– Sei nicht so gemein, Frank.
– Ach, Liam, – Frank wischte eine imaginäre Staubfluse von seinem T-Shirt. – Ich bin nie gemein. Nur ehrlich.
Benjamin war froh, als Liam ihn am Arm packte und ihn ins Wohnzimmer zog. Das Zimmer war ein einziges Chaos. Überall lagen Klamotten, leere Pizzakartons, und auf dem Couchtisch stapelten sich Zeitungen und Zeitschriften.
– Das ist unser Wohnzimmer, – sagte Liam. – Manchmal schlafen hier auch Leute.
Benjamin nickte, seine Augen wanderten von einem Gegenstand zum nächsten. Er sah eine abgenutzte Couch, auf der ein paar Kissen lagen, die ihre beste Zeit längst hinter sich hatten. Ein alter Fernseher stand auf einem wackeligen Regal, und an den Wänden hingen ein paar vergilbte Fotos.
– Wo ist dein Zimmer, Liam? – fragte Benjamin. Er hatte erwartet, dass Liam ihn in sein eigenes, gemütliches Zimmer führen würde.
Liam zeigte auf eine Matratze, die in einer Ecke des Wohnzimmers auf dem Boden lag.
– Hier.
Benjamin blinzelte.
– Hier? Aber… du hast kein richtiges Bett?
Liam zuckte mit den Schultern.
– Manchmal schlafe ich auch bei Lip oder Carl. Oder bei Fiona. Ist doch egal.
Benjamin war schockiert. Ein Junge aus seiner Elite-Schule, der auf einer Matratze auf dem Boden schlief? Das war unvorstellbar. In seinem Haus hatte jeder sein eigenes Schlafzimmer mit einem Kingsize-Bett, einem eigenen Bad und einem begehbaren Kleiderschrank.
– Und… wo schlafen die anderen? – fragte Benjamin vorsichtig.
– Lip und Carl teilen sich ein Zimmer oben, – erklärte Liam. – Debbie hat auch ein Zimmer, aber sie schläft meistens bei ihrem Baby. Fiona schläft im Keller.
Benjamin war immer verwirrter. Im Keller? Das war doch kein geeigneter Ort zum Schlafen.
Plötzlich hörten sie laute Stimmen aus der Küche.
– Ich hab gesagt, du sollst meine Chips nicht anfassen, Debbie! – rief eine männliche Stimme.
– Ich hatte Hunger, Lip! – Die weibliche Stimme war empört. – Und du hast sie eh nur vergessen!
Liam seufzte.
– Das sind Lip und Debbie. Die streiten sich immer.
Benjamin konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Das war also normal hier. Streitereien und Chaos. In seinem Haus gab es keine Streitereien. Alles war immer ruhig und geordnet.
Ein junger Mann mit roten Haaren und einer Bierflasche in der Hand kam ins Wohnzimmer gestürmt. Er hatte einen wütenden Ausdruck auf dem Gesicht.
– Liam, hast du meine Chips gesehen? – Er sah Liam an, dann fiel sein Blick auf Benjamin. – Und wer ist das?
– Das ist Benjamin, mein Freund aus der Schule, – sagte Liam. – Benjamin, das ist Lip.
– Schön, dich kennenzulernen, – sagte Lip knapp und musterte Benjamin misstrauisch. – Was machst du hier?
– Ich… ich übernachte hier, – stammelte Benjamin.
Lip hob eine Augenbraue.
– Übernachtest hier? Na, dann viel Spaß. Und fass meine Chips nicht an.
Er drehte sich um und ging zurück in die Küche, wo das Geschrei sofort wieder losging.
Benjamin sah Liam an.
– Er scheint… nicht begeistert zu sein.
Liam lachte.
– Lip ist immer so. Er ist nicht böse. Nur… Lip.
Kurz darauf kam eine junge Frau mit roten Haaren und einem Baby auf dem Arm ins Wohnzimmer. Sie hatte einen besorgten Ausdruck auf dem Gesicht.
– Liam, wo warst du denn? Ich hab mir Sorgen gemacht! – Sie sah Benjamin. – Und wer ist das?
– Das ist Benjamin, Debbie, – sagte Liam. – Er bleibt über Nacht.
– Oh, hallo, Benjamin, – sagte Debbie, und ihre Miene hellte sich auf. – Ich bin Debbie. Freut mich, dich kennenzulernen. Das ist Franny. – Sie zeigte auf das Baby, das friedlich in ihren Armen schlief.
– Hallo, – sagte Benjamin. Er war überrascht von Debbies Freundlichkeit. Sie schien die einzige zu sein, die ihn nicht misstrauisch beäugte.
– Kommt, ich mache euch was zu essen, – sagte Debbie. – Habt ihr Hunger?
Benjamin nickte eifrig. Er hatte tatsächlich Hunger.
Als sie in die Küche gingen, war das Chaos dort noch größer. Töpfe und Pfannen standen auf dem Herd, Geschirr stapelte sich in der Spüle, und Essensreste lagen auf der Arbeitsplatte.
– Setzt euch, wo ihr Platz findet, – sagte Debbie und wies auf den Küchentisch, der ebenfalls mit allerlei Kram bedeckt war.
Benjamin setzte sich vorsichtig auf einen Stuhl, der leicht wackelte. Er war es gewohnt, an einem riesigen Esstisch zu sitzen, der immer makellos gedeckt war.
Debbie begann, etwas in einer Pfanne zu braten, und der Geruch von Zwiebeln und etwas Fleischigem breitete sich in der Küche aus.
– Und wo sind deine Eltern, Benjamin? – fragte Debbie freundlich.
– Die sind… auf Geschäftsreise, – sagte Benjamin. – Wie meistens.
Debbie nickte verständnisvoll.
– Meine Eltern sind auch oft weg. Aber Fiona ist ja da.
Benjamin dachte an seine eigene Mutter, die wahrscheinlich gerade in einem Fünf-Sterne-Hotel in Paris saß und Champagner trank. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sie sich jemals so um ihn kümmern würde, wie Fiona sich um ihre Geschwister kümmerte.
Plötzlich öffnete sich die Tür zur Küche, und eine junge Frau mit langen, braunen Haaren und einem energischen Ausdruck trat ein. Sie trug Arbeitskleidung und sah müde aus.
– Ich bin zu Hause! – rief sie.
– Fiona! – Liam rannte auf sie zu und umarmte sie.
Fiona lachte und drückte ihn fest.
– Na, mein kleiner Mann. Wie war dein Tag?
Sie sah Benjamin und hob eine Augenbraue.
– Und wer ist das?
– Das ist Benjamin, mein Freund aus der Schule, – sagte Liam stolz. – Er bleibt über Nacht.
Fiona musterte Benjamin. Ihr Blick war weniger misstrauisch als Lips, aber auch nicht so freundlich wie Debbies. Er war eher… prüfend.
– Schön, dich kennenzulernen, – sagte Fiona. – Ich bin Fiona.
– Freut mich auch, – sagte Benjamin.
– Hast du schon gegessen? – fragte Fiona Liam.
– Debbie macht uns was, – sagte Liam.
Fiona nickte.
– Gut. Ich muss erstmal duschen. Und dann muss ich noch ein paar Sachen erledigen.
Sie verschwand im Badezimmer, und Benjamin hörte kurz darauf das Geräusch von fließendem Wasser.
Debbie stellte Teller mit gebratenem Fleisch und Kartoffeln auf den Tisch.
– Es ist nicht viel, aber es ist warm.
Benjamin nahm einen Bissen. Es war einfach, aber es schmeckte gut. Viel besser als das fade Essen, das seine Köchin ihm normalerweise servierte.
Während sie aßen, kam auch Ian ins Wohnzimmer. Er war groß und muskulös, aber er hatte ein sanftes Lächeln.
– Hey, Liam, – sagte Ian. – Wer ist dein Freund?
– Das ist Benjamin, – sagte Liam. – Ian ist mein Bruder.
– Hi, Benjamin, – sagte Ian freundlich. – Schön, dich kennenzulernen.
– Hallo, – sagte Benjamin. Ian war der erste, der nicht misstrauisch oder genervt wirkte.
Ian setzte sich zu ihnen an den Tisch und begann, sich ebenfalls etwas auf den Teller zu schaufeln.
– Wo ist dein Vater, Liam? – fragte Ian.
– Er ist im Wohnzimmer, – sagte Liam. – Er hat gesagt, er ist beschäftigt.
Ian nickte.
– Wie immer.
Benjamin war von der familiären Atmosphäre überrascht. Trotz des Chaos und der Streitereien schien es hier eine starke Bindung zwischen den Geschwistern zu geben. Etwas, das er in seiner eigenen Familie vermisste.
Nach dem Essen half Debbie beim Abwasch, während Liam Benjamin sein Zimmer zeigte – oder besser gesagt, seine Ecke im Wohnzimmer.
– Hier schlafe ich, – sagte Liam und zeigte auf die Matratze. – Du kannst ja auf der Couch schlafen. Ist bequemer.
Benjamin sah die alte, fleckige Couch an. Er hatte noch nie auf einer Couch geschlafen. Und schon gar nicht in einem Wohnzimmer, in dem jederzeit jemand hereinkommen konnte.
– Ist das… sicher hier? – fragte Benjamin leise.
Liam lachte.
– Sicher? Ja, klar. Wir sind die Gallaghers. Uns kann nichts passieren.
Benjamin war sich da nicht so sicher. Aber er wollte Liam nicht enttäuschen.
Später am Abend saßen sie alle im Wohnzimmer. Frank war eingeschlafen und schnarchte laut auf dem Sofa. Lip saß in einem Sessel und las ein Buch, während Debbie mit Franny auf dem Schoß eine Sendung im Fernsehen ansah. Ian saß auf dem Boden und spielte auf seinem Handy.
Fiona kam aus dem Badezimmer, frisch geduscht und in bequeme Kleidung gekleidet. Sie setzte sich neben Debbie auf die Couch.
– Und, Benjamin, wie gefällt es dir hier? – fragte Fiona.
Benjamin überlegte kurz. Er war schockiert über das Chaos, die Armut und die ungewöhnlichen Familienverhältnisse. Aber er war auch fasziniert. Es war so anders als alles, was er kannte.
– Es ist… interessant, – sagte Benjamin ehrlich. – Und… anders.
Fiona lachte.
– „Interessant“ und „anders“. Das ist eine gute Beschreibung für die Gallaghers.
Liam grinste Benjamin an.
– Ich hab’s dir doch gesagt.
Benjamin sah sich um. Er sah Frank, der schnarchte, Lip, der las, Debbie, die ihr Baby hielt, und Ian, der spielte. Und Fiona, die über alles wachte. Es war laut, chaotisch, und manchmal beängstigend. Aber es war auch warm, lebendig und voller Liebe.
Er hatte noch nie so etwas erlebt. Und er spürte, dass dieses Abenteuer in der South Side gerade erst begonnen hatte. Er wusste, dass seine Eltern entsetzt wären, wenn sie wüssten, wo er war. Aber in diesem Moment war es ihm egal. Er war hier, bei den Gallaghers, und er fühlte sich… wohl. Und das war etwas, das er in seinem eigenen, perfekten Leben selten gespürt hatte.
